Rudi heiratet – es fehlt nur noch die Frau

- Zwei mal sechs Seiten - von ‘Victor Schluff’ in ‘Treffpunkt Pattaya’ -

Es ist inzwischen kaum noch möglich, eine Frau aus Thailand für einige Monate zum Vergnügen nach Deutschland zu holen. Deshalb gibt es immer mehr Männer, die sich aus dem Urlaub irgend eine besonders schöne Frau zum Heiraten mitnehmen wollen. Das ist nicht immer ganz so einfach. Dennoch kann man seine Illusionen erhalten...

Es war einfach kein Leben, so wie es war. Sechsunddreißig Jahre war Rudi jetzt alt und lebte bei der Großmutter, seit seine Eltern sich vor zwanzig Jahren getrennt hatten. Die bemutterte ihn zwar, aber ein Mann wollte ja auch einmal etwas anderes, als eine Großmutter, auch wenn das Leben mit ihr wesentliche Vorteile brachte. Außerdem drängte sie ihn ja auch selbst ständig und fragte oft, wann er denn nun heiraten würde. Sie hatte sich auch immer von ihrer freundlichsten Seite gezeigt, wenn Rudi einmal mit einer Frau nachhause gekommen war. Aber das war nicht oft gewesen und es war auch seltsamerweise nie dazu gekommen, daß Rudi mit derselben Frau ein zweites Mal kam, obwohl er nie eine Frau weggeschickt hat.

Es lag ganz eindeutig an den Frauen. Die wußten eben das Edle in einem Mann nicht zu schätzen; die Zärtlichkeit, die er geben wollte, die Fürsorge und sein umfangreiches Wissen über das Leben, wie das zu verlaufen hatte und was in der Ökonomie und in der Politik des Landes zu geschehen hatte. Die meisten Frauen, die er kennengelernt hatte, wollten noch nicht einmal verstehen, daß die Frau eben dazu da ist, den Haushalt zu versorgen und Kinder zu kriegen, ein Punkt, in dem sogar seine Großmutter ihn voll unterstützte, und dann gab es sogar welche, die es störte, daß er etwas korpulent war und sein Haarwuchs sich auf den Außenrand seines Kopfes beschränkte.

So hielten sie sich an Nebensächlichkeiten auf, statt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren; die Zärtlichkeit und wie sein Zimmer in Ordnung zu halten war, wie sein Essen zuzubereiten war und wie sie sein Leben angenehm zu gestalten hatten, denn schließlich würde er ja der Geldverdiener sein. Aber selbst in dem Punkt gab es Frauen, die das glatt abstritten und als Frau ihre Selbständigkeit behalten wollten, was einfach lächerlich war, denn sein Gehalt als kaufmännischer Angestellter reichte zweifellos für mehr als zwei Personen.

Aber er hatte jetzt genug über Thailand erfahren, um sicher zu sein, daß ihm dort mit den Frauen nicht dasselbe passiert, wie in Deutschland. Dort hatten Frauen noch die Rolle, die ihnen zusteht. Da gab es noch klare Linien, die dafür sorgten, daß es keinen Streit gab, denn es ist ja wohl selbstverständlich, daß immer nur Einer bestimmen kann, ob das nun in der Firma war oder in der Familie, sonst herrschte ja geradezu Anarchie. Und es war ja wohl klar, daß Rudi als Mann der Boss war.

So hatte Rudi schon sein Ticket nach Thailand gebucht und war voller Hoffnungen und freudiger Erwartungen. Er hatte auch nicht vergessen, beim Standesamt ein Ehefähigkeitszeugnis zu holen, hatte ein polizeiliches Führungszeugnis und eine Verdienstbescheinigung beschafft, denn man wußte ja nicht, was die Behörden in Thailand bei einer Heirat an Papieren haben wollten. Aber wahrscheinlich wären sie froh, wenn über-haupt ein Ausländer kommt, eine Thai mitnimmt und sie ernährt.

Wenn seine Großmutter so gegen neun Uhr abends schlafen ging, saß Rudi da und stellte sich vor, wie seine künftige Frau auszusehen hat und wie er ihr beibringen würde, sich richtig zu verhalten. Denn ihm war schon klar, daß sie aus einem ganz anderen Kulturkreis kam, keine Bildung und keine Erziehung genossen hatte, daß er ihr also vieles zeigen mußte, damit sie sich an ihn anpassen konnte. Und dann stellte er sich vor, wie sie im Bett zu sein hatte und schlief mit sich und der Welt zufrieden ein.

Als Rudi endlich in Pattaya ankam, war er überwältigt von der riesigen Auswahl von Frauen, die sich ihm bot. Es störte ihn etwas, daß er nun bei dieser riesigen Auswahl auf sich selbst angewiesen war. Woher sollte er wissen, ob es auch wirklich die Beste war, wenn er jetzt eine Frau mitnahm. Immerhin hatte er in einem deutschen Restaurant gegessen und war später in einer deutschen Bar gewesen, wo er sich eine Menge Informationen geben ließ, so daß er nicht so ganz hilflos war.

Daß man ihm gesagt hatte, er solle sich das Heiraten aus dem Kopf schlagen, brauchte er ja nicht so ernst zu nehmen, denn Pattaya lebte ja nur von den Frauen und es war klar, daß die Ansässigen nicht wollten, daß man ihnen die schönsten Frauen wegholt, weil das ihren Verdienst schmälert. Er entschloß sich, die Frauen einfach auszuprobieren und wanderte Sodawasser trinkend lange durch die Barlandschaft, bis er eine sah, die weitgehend dem Bild entsprach, das er sich von seiner Frau aufgrund von Illustriertenfotos entwickelt hatte, seit er das Ticket nach Pattaya besaß.

Sie war noch keine zwanzig Jahre alt, sehr schlank, hatte sehr helle Haut, Mandelaugen und lange, schwarze Haare. Er rief sie zu sich, bestellte erst einmal ein Bier. Dann fragte er nach dem Preis für ihre Auslösung und was er für die Nacht zu bezahlen hätte, bezahlte die zweihundert Baht Auslösung und befahl ihr, sich neben ihn zu setzen. Als sie kam, überprüfte er erst einmal, ob ihre Brüste auch echt waren, weil sie ihm für einen derart schlanken Körper unverhältnismäßig groß erschienen. Sicherheitshalber griff er ihr noch einmal in den Ausschnitt und dann legte er zärtlich seinen Arm um ihren Körper. Er merkte sofort, daß es Liebe auf den ersten Blick war, denn auch sie legte ihren Arm um seinen Rücken und war zärtlich. Er empfand es als schade, daß sie weder Deutsch noch Englisch sprach, aber das würde sie dann eben noch lernen müssen. Nach einigen Bieren ging er mit ihr so etwa vier Stunden später ins Hotel.

Als er am nächsten Morgen aufwachte, hingen seine Hemden, seine Unterwäsche und die Socken schon sauber gewaschen auf der Leine, wie es sich gehörte. Aber er war dennoch enttäuscht und schickte sie weg. Bei der gebotenen Auswahl könnte er sicher noch etwas Besseres finden. Denn wenn sie ihn wirklich liebte, dann hätte sie im Bett auch etwas aktiver sein können. Sie hatte alles einfach über sich ergehen lassen, sich selbst aber nicht gerührt und nichts von sich aus unternommen und so hatte er sich die wahre Liebe nicht vorgestellt. Aber schließlich hatte er ja noch Zeit und eine nicht zu bewältigende Auswahl von zur Verfügung stehenden Frauen. Am Abend des nächsten Tages ging Rudi deshalb in eine Go Go-Bar, denn da waren ja die Frauen, die sich dauernd bewegten und sicher mehr Interesse an einer bewegten Nacht hatten und dort konnte er auch den Körper seines Heiratsobjektes von vornherein richtig betrachten, weshalb er wartete, bis die Zeit kam, wo die Frauen ,oben ohne‘ tanzten.

Nach Rudis Meinung waren diese Frauen auch viel interessierter daran, einen Mann zu finden und mit ihm heiße Nächte zu erleben, denn sonst würden sie sich ja nicht ausziehen und auf der Bühne zeigen. Deshalb wären sie sicherlich auch im Bett aktiver. Rudi hatte Glück. Schon in der ersten Go Go-Bar war eine ganze Reihe bildschöner Frauen, wovon ihn auch einige anlächelten, ein sicheres Zeichen, daß sie ihn auch lieben würden. Er müßte sich nur noch entscheiden, welche die geeignetste für sein Leben ist. Als sie so gegen Mitternacht ihre Oberteile fallen ließen, fiel es Rudi auch schon leichter, sich für die geeignetste Lebensgefährtin zu entscheiden. Das war die mit den größten Brüsten.

Er bestellte sich noch eine Flasche Bier und nannte der Bedienung die Nummer seiner Auserwählten, die bald darauf lächelnd erschien. Sie setzte sich sofort neben ihn und sprach ihn in Englisch an. Sie wollte erst einmal einen Ladydrink, aber das gehörte sich wohl so. Dann zahlte Rudi die Auslösung, die hier natürlich teuerer war, als in den normalen Bars. Als Rudi ein Taxi rufen wollte, wies sie darauf hin, daß sie Hunger hat und erst einmal etwas essen will. Aber danach fuhren sie in sein Hotel, wo sie ihm eine herzzerreißende Geschichte erzählte, wie arm sie ist und warum sie in einer Go Go-Bar arbeiten muß. Es störte Rudi etwas, daß sie dauernd von Geld sprach und ihn um Hilfe bat, aber im Bett wurde sie immerhin selbst aktiv.

Am Morgen dauerte es lange, bis Rudi es schaffte, sie wach zu bekommen, doch als sie die Augen aufschlug, stürzte sie sich unter die Dusche und erklärte, sie hätte Hunger und sie müßten etwas essen gehen. Während des Frühstücks erzählte sie Rudi noch einmal die vielen Probleme ihrer Familie und machte ihm klar, daß er unbedingt helfen muß, denn er sei schließlich reich und habe genug Geld übrig, um es ihr zu geben. Als sie von Rudi ihr Geld bekam, machte sie einen ganz traurigen Eindruck und erklärte, daß sie von ihm noch so gerne ein kleines Souvenir hätte, ein Goldkettchen oder so etwas. Rudi ließ sich breitschlagen und kaufte schließlich eine Goldkette, die weitaus mehr kostete, als er veranschlagt hatte, aber es war die einzige, die sie wirklich mochte.

Dafür umarmte und küßte sie ihn auch, als er schließlich einwilligte und bezahlte. Dann wies sie darauf hin, daß es schon Mittag sei und daß sie unbedingt essen gehen müßten, wobei sie ihm dann noch einmal ihre Familienprobleme nahelegte, worauf Rudi es vorzog, sie von seiner Heiratsliste zu streichen, denn er wollte ja keine Probleme heiraten und er hatte eine gewisse Ahnung, daß diese Frau teuer werden könnte. Er erzählte ihr, daß er zur Botschaft muß und erst am Abend wiederkommt, wobei er beschloß, seine Frau in einer anderen Gegend zu suchen, was bei der Auswahl ja nicht schwer war.

Am Abend machte Rudi sich nach bewährtem Muster mit Sodawasser auf die Suche, bis er wieder ein junges Mädchen fand, das seiner Idealvorstellung nahekam. Es hieß Pet und sprach sogar etwas Englisch, was das tiefere Verständnis sehr erleichterte. Wieder durfte sich seine neue Traumfrau nach Überprüfung ihrer körperlichen Qualitäten neben ihn setzen und ging mit ihm ins Hotel. Als sie sich auf seinen Befehl hin auszog, duschte und aufs Bett legte, machte Rudi ihr klar, daß sie nicht nur daliegen, sondern auch selbst etwas aktiv werden sollte. Schließlich wollte er ja nicht mit einer Frau leben, die bewegungslos war und nichts tat.

Am nächsten Morgen war Rudi überzeugt, seine Traumfrau gefunden zu haben. Als er aufwachte, war das Zimmer sauber und seine Sachen gewaschen und in der Nacht hatte sie sich genauso verhalten, wie er es ihr befohlen hatte. Und sie hatte an ihn auch keine Erwartungen gestellt. Das war die perfekte Liebe. Deswegen ging er nach dem Frühstück gleich mit ihr los und kaufte ihr eine hochgeschlossene Bluse und einen langen Rock, denn er wollte nicht, daß fremde Männer seiner Frau in den Ausschnitt oder auf die Beine schauen konnten, nachdem er stundenlang überlegt und beschlossen hatte, daß er sie liebt und heiraten wird. Es war ja wohl selbstverständlich, daß sie darüber glücklich sein mußte. Er kaufte ihr ein Englischbuch und sagte, sie soll sich hinsetzen und Englisch lernen.

Die nächsten zwei Wochen fühlte Rudi sich am Ziel seiner Wünsche. Sein weiteres Leben schien nun gesichert, nachdem er mit Pet zweifellos das ideale Brautpaar darstellte. Sie machte sauber, wusch seine Sachen und tat alles, was er ihr befahl. Er ging mit ihr ins Restaurant, wo sie sich nur einen Teller Reis bestellte und ohne ihn zu unterbrechen zuhörte, wenn er sprach. Setzte er sich nachmittags ans Schwimmbad, so setzte sie sich daneben und lernte Englisch. Sie verursachte keine Kosten und trank höchstens ein Glas Wasser. So war es auch abends in der Bar, bis er sie rief und mit ihr nachhause ging, wo sie ihm eine himmlische Nacht bescherte. Genau so hatte er sich das Eheleben schon immer vorgestellt.

Er schickte sie einkaufen und überprüfte das Wechselgeld. Er ließ absichtlich Geld im Hotelzimmer liegen, um zu überprüfen, ob sie ihn bestehlen würde. Er schickte sie los, um noch eine Bluse und noch einen Rock zu kaufen, wie sie ihm gefielen und sie kaufte die Sachen nach seinem Geschmack und viel preiswerter, als er sie bekommen hätte. Auch als er mit ihr zwei Tagestouren in die Umgebung buchte, zeigte sie sich umsichtig, sparsam und sehr hilfreich. Rudi vergaß auch nicht, sie über Familienprobleme zu befragen und sie erzählte begeistert von ihren Eltern, erwähnte wohl auch, daß sie arm waren, aber sie erwähnte keine Probleme und auch mit den Geschwistern gab es keine Probleme. Als Rudi ihr befahl, sie solle einen Paß beantragen und den Betrag dafür gab, den man ihm an der Bar gesagt hatte, tat sie das ohne Widerworte. Aber sie mußte dafür zwei Tage verreisen, nämlich in ihr Heimatdorf und nach Bangkok.

In dieser Zeit bemerkte Rudi, daß sie ihm wirklich fehlte und daß sie doch schon einen großen Einfluß auf ihn ausübte. Er sprach darüber in einer deutschen Kneipe mit jemand, der gerade neben ihm saß. Als er sagte, daß er die einzig anständige und ehrliche Frau in Pattaya gefunden hat, fing der plötzlich an, lauthals zu lachen. Nachdem Rudi ihm noch mehr von seiner Pet erzählte, meinte der, daß er sich vielleicht besser ein Spielzeugauto und eine Beate Uhse-Puppe kaufen sollte. Aber Rudi merkte sofort, der war nur neidisch, daß er nicht so eine gute Frau hatte.

Als der Mann dann fragte, wie Rudi sich das Leben mit ihr in einer ostdeutschen Kleinstadt vorstellt und wie sie dort leben sollte, sagte Rudi sofort, daß sie ja Deutsch lernen kann und selbst wenn sie keine Arbeit fände, gäbe es keine Probleme, denn sie hätte ja ihn und bekäme immer genug zu essen und das würde ja wohl reichen. Er erzählte noch, daß er eine sichere Stellung und ein gutes Gehalt hat und daß die Frau ihn kaum etwas kostet. Er merkte, daß er den Gesprächspartner voll überzeugt hatte, denn der sagte daraufhin gar nichts mehr.

Als Pet von ihrer Fahrt zurückkam, wollte er sie überraschen und sagte ihr, daß sie jetzt heiraten und daß sie mit ihm nach Deutschland fährt. Pet war tatsächlich sprachlos und Rudi war sich schon sicher, daß sie von seiner Güte überwältigt war und ihm gleich um den Halsw fallen würde. Aber dann fing sie an, laut zu lachen und sagte, daß sie gar nicht heiraten und auch nicht nach Deutschland gehen will. Sie würde sich hier in Pattaya wohlfühlen und wenn sie verreisen will, dann würde sie höchstens in ihr Heimatdorf zu ihren Eltern fahren, aber niemals ins Ausland.

Rudi war tief enttäuscht. Hatte er sie doch die ganze Zeit für eine anständige Frau gehalten und nun mußte er feststellen, daß sie eine richtige Hure war, eine Nutte, die nur mit ihm mitgegangen war, weil sie dafür Geld bekam. Während er noch glaubte, er wäre für sie die Rettung aus ihrem schrecklichen Leben, hatte sie nur gezählt, wieviel Geld er ihr für diese Zeit bezahlt. Und statt sich über den Sprung in ein anständiges Eheleben mit ihm zu freuen, wollte sie an der Bar bleiben.

Rudi war erschüttert. Er war gekommen, um eine Frau zu heiraten. Nun war schon über die Hälfte seines vierwöchigen Urlaubs vergangen und er stand mit leeren Händen da. Zwei Frauen hatten nichts getaugt, doch die dritte war dann die richtige gewesen, in die hatte er sich verliebt, aber die wollte ihn nicht heiraten und sie wollte auch nicht nach Deutschland. Es hatte ihn tief getroffen, daß sie mit ihm nur für Geld mitgegangen war, wo er doch ganz sicher gewesen war, daß sie ihn liebt. Jetzt hatte er kaum noch Zeit, eine Frau kennenzulernen und zu heiraten. Das Schlimmste war, daß er dauernd an Pet dachte, die ihn gar nicht liebte und nicht mit ihm leben wollte.

Rudi ging wieder einmal in die deutsche Kneipe, wo er sich schon einmal Ratschläge geholt hatte. Als jemand Rudi trösten wollte und sagte: "Das sind eben alles Nutten", begann eine eifrige Diskussion, denn einige der Gäste waren Thailandkenner, die schon drei oder vier Mal nach Pattaya gekommen waren, doch andere lebten hier seit Jahren mit ihren thailändischen Frauen zusammen. Die ganze Diskussion wiederzugeben, würde zu weit führen, doch einige Bemerkungen waren durchaus interessant: "Du dachtest, daß du hier mit ’nem Teller Reis ankommst und daß dafür ein hübsches Mädchen aus heißer Liebe bei dir einen lebenslangen unbezahlten Job als Dienerin mit Nachtschicht annimmt, weil du ihr das Leben gerettet hast. Hier in Thailand verhungert keiner; die brauchen dich gar nicht", meinte einer gefühllos.

Ein anderer sagte trocken: "Laß dich nicht fertigmachen, Du hast doch nur den Puff mit ‘nem Heiratsinstitut verwechselt" und ein Dritter erklärte: "Du bist zu spät gekommen; die Sklavenmärkte, wo die großen Leute ihren Bedarf einkauften, wurden schon vor hundert Jahren geschlossen", wieder ein Anderer, der wohl gar nicht verstanden hatte, worum es ging, erklärte: "Du bist einfach nur zu weich, du mußt die streng an der Kandarre halten, dann parieren die auch."

Was den Bildungsunterschied betrifft, stimmte man einem zu, der meinte: "Wenn ich intellektuelle Ansprüche habe, dann kaufe ich mir Bücher und suche nicht eine Thai, lesen kann ich auch selbst. Aber ich will auch nicht dauernd nur über Salat und schöne Kleider sprechen. Sie sollte schon zur Schule gegangen sein und wenigstens einmal eine Zeitung, ein Buch oder eine Illustrierte lesen." Der Einwurf: "Die meisten Deutschen, die hier leben, können doch selbst kaum lesen und die lesen mit Sicherheit keine Bücher", wurde mit einem stummen Nicken der Diskussionsteilnehmer quittiert.

Auch das unterschiedliche Alter kam zur Sprache. Als jemand bemerkte: "In Deutschland gibt es eine alte Bauernregel, nach der die Frau sieben Jahre mehr als die Hälfte des Alters des Mannes haben sollte. Wenn er also 50 ist, sollte die Frau 32 sein. Aber das Alter ist gar nicht so wichtig. Viele Frauen lieben einen ruhigen, gesetzten Mann", fragte einer: "Und was sagst du zu den Männern, die schon 60 oder 70 sind und sich ein Mädchen suchen, das noch keine 20 ist?" Prompte Antwort: "Das sind entweder gealterte Pädophile oder Männer jenseits von Gut und Böse, die ein hübsches Hausmädchen brauchen."

Aber das alles half Rudi nicht viel weiter und so brachte er sich wieder in Erinnerung: "Aber was soll ich denn jetzt machen?" Auch er bekam eine prompte Antwort: "Versuch’ doch erst ’mal, dir nicht selbst etwas vorzumachen. Du kommst doch nicht, weil du eine Frau liebst, die du noch gar nicht kennst. Du willst doch gar nicht mit einer Frau zusammen leben. Du kannst nichts mit dir anfangen und kannst nicht allein sein. Jetzt willst du für ein Taschengeld ein exotisches Kindermädchen kaufen, das dir die Suppe kocht und Dich anschließend auch noch in den Schlaf wiegt." Daß einige Gäste Rudi in Schutz nahmen und meinten, mit den Barmädchen kann man sowieso nur ins Bett gehen, erregte nicht nur Widerspruch, es half Rudi auch nicht weiter. So wandte er sich später an einen Mann, der schon seit Jahren mit einer Thai zusammenlebt. Der sollte ihm jetzt sagen, was er machen soll.

Der aber meinte: "Machen brauchst du gar nichts, die machen das schon alles. Du mußt nur zusehen, daß du an eine Frau gerätst, die ruhig und ein bißchen nett ist, auch wenn sie nicht die Schönste ist. Eine Frau, die dezent gekleidet ist, sich etwas zurückhält und freundlich ist. Dann mußt Du auch zu ihr nett sein und sie in Ruhe lassen. Schau ‘mal, Du kommst aus Deutschland und erwartest, daß sich Deine Frau so verhält, wie eine Deutsche, aber deutsche Frauen magst Du nicht und diese Frau ist noch niemals in Deutschland gewesen und kann gar nicht wissen, was Du willst. Du bist hier der Ausländer. Schau Dir doch das Leben hier erst einmal an und laß die Frau so leben, wie sie es gewohnt ist, wenn Du keinen Ärger willst. Du mußt nicht davon ausgehen, daß Du besser bist und alles besser weißt. Es ist klar, daß sie dieses Land viel besser kennt, als Du, und Du mußt verstehen, daß das Leben hier anders ist und daß ihr Beide unterschiedlich seid, einfach anders und daß keiner von euch besser oder größer ist. Und dann solltest Du Dir überlegen, ob sie in einer deutschen Kleinstadt leben kann. Du sagst, Du willst eine Partnerschaft, Du willst eine Frau heiraten, aber Du denkst nur an Dich, an das, was Du willst. Das geht aber nicht lange gut. Du mußt die Frau doch erst einmal kennen, um zu wissen, was sie will, wie sie leben will, und ob Du überhaupt mit ihr leben kannst. Dann kannst Du überlegen, ob sie mit Dir in Deutschland zusammen leben kann und ob sie das auch will."

Nach einiger Überlegung kam Rudi zu dem Schluß, daß der Mann einfach alt war und resigniert, der hatte keinen Kampfgeist mehr, wollte nur noch seine Ruhe haben und tat wahrscheinlich alles, was seine Frau ihm sagte. Es war ja wohl klar, daß er als Europäer viel besser war und viel mehr Bildung hatte und außerdem war er der Mann, er hatte ja auch das Geld, also hatte er über sie zu bestimmen. Er beschloß, daß ihm keine guten Ratschläge helfen würden, eine Frau nach Deutschland mitzunehmen, zumal ihm ja auch alle nur abrieten, statt zu helfen, die richtige zu finden. Er würde also selbst noch einmal auf die Suche gehen.

So geschah es, daß ein sehr unzufriedener und wider Willen etwas nachdenklicher Rudi sich wieder auf der Suche nach der Frau seines Lebens befand, aber diesmal erschien ihm die Auswahl gar nicht mehr so groß und das viele Sodawasser, das er an mehreren Bars trank, um einen klaren Kopf zu behalten, machte ihm bereits zu schaffen. So war es diesmal wohl eher das zu viel getrunkene Sodawasser, als eine auffallende Schönheit, was ihn in eine Bar zwang. Er sah auch keine Frau, die seinem Schönheitsideal entsprach, andererseits hatte er keine Lust, weiter herumzuwandern und Sodawasser zu trinken. So begnügte er sich damit, nach altem Muster ein Mädchen auszulösen, auch wenn das noch nicht einmal richtig geschminkt war und auch nicht gerade als ausgesprochene Schönheit auffiel. Es war also nicht das, was er brauchte, wenn er in Deutschland ausging oder seinen Kollegen seine Frau vorführen wollte. Sie schien seine negative Stimmung auch zu merken.

Hatte sie ihn vorher noch angelächelt, so saß sie jetzt mit ernstem Gesicht neben ihm, nachdem er sie ausgelöst und erst einmal ihren Körper befühlt hatte. Nun saß er da, hatte den Arm um sie gelegt, die Hand auf ihrem Bauch, aber sie hatte beide Hände vor sich auf der Theke und lächelte nicht mehr und war auch nicht zärtlich zu ihm. Er beschloß, diese Situation zu ändern und ging gleich mit ihr ins Hotel, wo sich ihr Verhalten sicher ändern würde, wenn sie mit ihm erst einmal alleine war. Rudi setzte sich auf den Stuhl in seinem Hotelzimmer und sagte ihr, sie solle sich jetzt erst einmal ausziehen. Dann fragte er, ob sie ihre Zunge auch gut bewegen kann. Zu seiner größten Verblüffung drehte sie sich um und verließ den Raum. Er überlegte sich, ob sie vielleicht an der Rezeption etwas bestellen oder vielleicht etwas holen will. Erst nachdem etwa zehn Minuten verstrichen waren, kam er auf den Gedanken, daß sie gegangen war. Sie hatte ihn einfach sitzen lassen, hatte nicht einmal nach Erlaubnis gefragt und war ohne ein Wort gegangen.

Voller Wut ging Rudi nun in die Bar, wo er sie ausgelöst hatte und verlangte das Geld für die Auslösung zurück. Aber die Mama Sang (von vielen Ausländern Mama San genannt), die für die Mädchen verantwortlich war, erklärte ihm, daß sie ihm kein Geld zurückgeben kann, denn er habe sie schließlich ausgelöst, also das Geld bezahlt, was der Bar verlorengeht, wenn ein Mädchen früher zu arbeiten aufhört, und das Mädchen habe ja auch seinen Arbeitsplatz verlassen und sei mit ihm mitgegangen. Was dann weiter geschieht, geht sie nichts mehr an, denn das Mädchen hat ja den Arbeitsplatz verlassen. Dann fragte sie, ob er dem Mädchen denn Geld gegeben hat oder ob das Mädchen etwas gestohlen hat und wollte schließlich wissen, was vorgefallen war. Als Rudi alles erzählt hatte, erklärte sie, daß sie daran gar nichts ändern kann. Sie wäre nur für die Arbeitszeit in der Bar zuständig. Wenn das Mädchen mit ihm mitgeht und irgendetwas nicht tun will, dann ist das eine Sache zwischen ihm und dem Mädchen. Das hat ja auch nichts versprochen und kein Geld genommen und kann also gehen, aber Rudi könnte sich ja selbst überlegen, warum das Mädchen ihn nicht mag oder warum es weggegangen ist.

Rudi war wütend und meinte, wenn er bezahlt, dann kann er mit dem Mädchen machen, was er will. Die Mama Sang schüttelte mit dem Kopf und erklärte, daß er das mit dem Mädchen ausmachen muß, und zwar am besten, bevor er die Auslösung bezahlt. Wenn er sich mit dem Mädchen über den weiteren Verlauf des Abends einig ist und dann die Auslösung bezahlt, dann gibt es auch keine Probleme. Rudi sah das zwar irgendwie ein, dennoch hielt er es für reinen Nepp. Wo kommen wir denn hin, wenn die Frau bestimmen kann, was er tun darf, das war ja schon fast wie in Deutschland. In diese Bar würde Rudi jedenfalls nicht mehr gehen, aber jetzt wollte er erst einmal seinen Ärger hinunterspülen und dazu ging er an eine Bar, die ein ganzes Stück weiter weg lag.

Nach drei Flaschen Bier beruhigte er sich, aber sein Weltbild war zerstört. Er hatte immer gehört, er kann in Pattaya tun und lassen, was ihm paßt und jetzt hieß es, er muß das mit den Mädchen besprechen. Aus seiner jüngsten Erfahrung sah er aber ein, daß das sicherer war. In der nächsten Bar änderte er deshalb sein Ritual des Kennenlernens seiner Ehefrau. Aber er ärgerte sich enorm, daß es ihm nicht möglich war, in Gegenwart aller Mädchen zu sagen, was er eigentlich wollte. Als er nach einigen Bieren wieder eine passende kindliche Schöne gefunden hatte, fragte er deshalb nur: "You sleep with me?" bevor er die Auslösesumme bezahlte. Das Mädchen hieß Lek, war lustig und fröhlich und ließ ihn bald seinen Ärger vergessen. Im Hotel versprach es auch, auf seine Wünsche einzugehen, aber es lag wohl an dem vielen Ärger und an den Bieren, daß er sich am nächsten Morgen nicht an den Verlauf der Nacht erinnern konnte.

Lek wurde für die nächsten Tage die fröhliche ständige Begleiterin eines griesgrämigen Rudi, der darum kämpfte, sein Weltbild neu zu ordnen. Auf keinen Fall wollte er etwas aufgeben, aber er sah ein, daß er wohl oder übel einige Konzessionen machen mußte, wenn er nicht allein sein wollte. Seine Absicht, eine Frau aus Thailand mit nachhause zu bringen, hatte er aufgeben müssen, denn dafür würde die Zeit nicht mehr reichen. Außerdem waren die Frauen eben doch nicht so, wie er es gehört hatte. Er hatte geglaubt, daß er irgend eine besonders schöne Frau mitnimmt und die würde dann eben tun, was er befiehlt, damit sie etwas zu essen bekommt, aber das schien noch nicht einmal mehr in Thailand zu funktionieren.

Nun mußte er darum kämpfen, eine Frau zu finden, die so soweit wie möglich seinen Wünschen entgegenkam. Wichtig war dabei nicht, was sie konnte und schon gar nicht, was sie wollte, sondern nur, daß sie möglichst schön war und vor allen Dingen, daß sie ihm absolut gehorchte. Das aber war bei Lek eine sonderbare Sache. Er war ja schon froh, daß sie ihm nicht widersprach und keine Widerworte gab. Wann immer er etwas sagte, antwortete sie: "Yes my darling, I love you too much." In Wirklichkeit aber machte sie, was sie wollte. Wenn er sie daran erinnerte, was er gesagt hatte, dann meinte sie: "Oh, I forget, Lek always forget." Aber sie tat auch dann nicht, was er wollte, sie tat es "later", das war, bis er sie wieder daran erinnerte und sie wieder sagte: "Oh, Lek forget."

Aber sie war ausgesprochen schön und im Bett war sie so, wie er es sich erträumt hatte und es gab mit ihr nie Streit und sie war immer fröhlich. Er war sich gar nicht sicher, eine bessere Frau zu finden, wenn er jetzt eine suchen würde. Vielleicht war es das Beste, sich Lek warmzuhalten und bei Gelegenheit eine andere zu suchen. Wenn er eine bessere Frau gefunden hatte, dann konnte er Lek ja immer noch wegschicken, aber er wollte erst einmal eine bessere haben. Er würde jetzt eben ohne Frau nach Deutschland zurückfahren, aber er würde versuchen, in einem halben Jahr wiederzukommen. Dann könnte er versuchen, eine bessere Frau zu finden und dann könnte er auch entscheiden, ob er Lek mit nach Deutschland nimmt, aber davon wollte er ihr noch nichts sagen.

So rückte der Tag der Abreise immer näher und Rudi tat sich schwer, zu einem Entschluß zu kommen. Endlich sprach er mit Lek und erklärte ihr, er würde bald wiederkommen, aber er wollte nicht, daß sie weiter in der Bar arbeitet. Wenn sie sich eine andere Arbeit sucht, dann würde er ihr jeden Monat einen Scheck schicken, damit sie finanziell zurechtkommt, auch wenn sie nicht in der Bar arbeitet. Dann fiel ihm ein, daß es sicher besser ist, wenn sie in der Zeit seiner Abwesenheit Deutsch lernt und er bezahlte ihr einen Sprachkursus und gab ihr noch Geld für ein eigenes Zimmer. Dann fuhr er ab und freute sich auf den nächsten Urlaub, in dem er Lek ganz bestimmt in ihrem Zimmer auf ihn wartend antreffen wird, weil er ihr ja Geld schickt - was braucht eine Frau denn sonst noch zum Leben? Und dann kann er entscheiden, ob er sie nach Deutschland mitnimmt.